FiDA für Versicherungen: Mehr als eine Schnittstelle | iS2

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FiDA für Versicherungen: iS2 Bits & Bites „FiDA-Ready“ mit Glühbirne, Code-Symbol und angebissenem Keks.

Finanzdaten verbinden, Beratung verbessern, Prozesse vereinfachen: Mit FiDA rückt der unternehmensübergreifende Datenaustausch stärker in den Fokus. Doch eine leistungsfähige Schnittstelle schafft zunächst nur Zugang. Damit daraus ein spürbarer Nutzen entsteht, müssen Datenqualität, Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufe zusammenpassen. Wie können sich Versicherungs- und Finanzunternehmen darauf vorbereiten?

Ein Datensatz wird erfolgreich übertragen. Die Schnittstelle funktioniert, alle vorgesehenen Felder kommen im Zielsystem an. Technisch ist das ein Erfolg. Im Beratungsgespräch bleiben trotzdem Fragen offen: Wie aktuell sind die Angaben? Welche Werte lassen sich vergleichen? Und was lässt sich daraus für die individuelle Situation der Kundin oder des Kunden ableiten?

Genau hier beginnt die eigentliche Aufgabe. Datenzugang ist noch keine Anwendung. Wer sich mit FiDA beschäftigt, sollte deshalb früh klären, wie aus verfügbaren Informationen eine verlässliche Grundlage für Beratung und Service wird.

Was ist FiDA – und warum ist das Thema relevant?

FiDA steht für „Financial Data Access“. Der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Rahmen soll den Zugang zu bestimmten Finanzdaten über Zahlungskonten hinaus regeln. Damit gehört FiDA zur Entwicklung von Open Finance: Finanzinformationen sollen unter definierten Bedingungen zwischen berechtigten Beteiligten ausgetauscht und für neue Dienstleistungen genutzt werden können.

Im Mittelpunkt stehen dabei auch die Kontrolle der Kundschaft über den Datenzugriff sowie gemeinsame Standards für Daten und technische Schnittstellen. Eine Freigabe von Daten soll für Kundinnen und Kunden freiwillig bleiben. Die Ziele erläutert die Europäische Kommission auf ihrer Themenseite zu Financial Data Access.

Zum regulatorischen Stand: FiDA wird in diesem Beitrag als Gesetzgebungsvorhaben eingeordnet. Das Verfahrensregister des Europäischen Parlaments führt das Verfahren zum Recherchezeitpunkt als noch nicht abgeschlossen. Konkrete Pflichten und Umsetzungsfristen sollten deshalb anhand des weiteren Gesetzgebungsverfahrens bewertet werden. Stand: 29. September 2026.

Für Unternehmen lohnt sich dennoch schon heute eine grundlegende Frage: Sind die eigenen Daten, Systeme und Prozesse darauf vorbereitet, externe Informationen sinnvoll zu verarbeiten?

FiDA-Vorbereitung: Vier Ebenen müssen zusammenspielen

1. Datenqualität: Informationen brauchen eine eindeutige Bedeutung

Eine Schnittstelle kann Daten übertragen. Ob diese fachlich zusammenpassen, muss zusätzlich geklärt werden.

Ein einfaches Beispiel: Zwei Systeme liefern einen Wert mit der Bezeichnung „Beitrag“. In einem System ist damit der monatliche Betrag gemeint, im anderen der Jahresbeitrag. Ohne eindeutige Zuordnung kann die Übertragung technisch korrekt sein und trotzdem zu einer falschen Darstellung führen.

Für die Vorbereitung empfiehlt sich deshalb ein gemeinsames Verständnis der relevanten Daten: Definitionen, Einheiten, Stichtage und Herkunft müssen nachvollziehbar sein. Ebenso braucht es Regeln für fehlende, veraltete oder widersprüchliche Angaben.

Die entscheidende Frage lautet: Können die Menschen und Systeme, die mit den Daten arbeiten, deren Bedeutung zuverlässig erkennen?

 

2. Governance: Zuständigkeiten und Berechtigungen müssen klar sein

Mit dem Datenzugang entstehen organisatorische Fragen. Wer verantwortet die Qualität? Wer entscheidet über zulässige Verwendungszwecke? Und wer reagiert, wenn eine Berechtigung ausläuft oder ein Zugriff fehlschlägt?

Der FiDA-Vorschlag stellt die Kontrolle der Kundschaft darüber, wer auf ihre Daten zugreift und zu welchem Zweck, ausdrücklich in den Mittelpunkt. Auch der Rat der Europäischen Union beschreibt harmonisierte Regeln für den Finanzdatenaustausch als wesentlichen Bestandteil des Vorhabens.

Für die praktische Umsetzung sollten Fachbereich, IT, Datenschutz und Informationssicherheit früh zusammenarbeiten. Dabei gilt es, fachliche Verantwortlichkeiten ebenso zu definieren wie technische Zugriffsrechte und nachvollziehbare Kontrollmechanismen.

Ein Berechtigungskonzept wird erst dann alltagstauglich, wenn auch klar ist, wie Änderungen in den betroffenen Anwendungen und Prozessen umgesetzt werden.

3. Prozesse: Daten müssen am richtigen Arbeitsschritt ankommen

Ein zusätzlicher Datenbestand hilft wenig, wenn Mitarbeitende ihn in einer separaten Anwendung suchen, prüfen und anschließend manuell übertragen müssen.

Der Ausgangspunkt sollte deshalb ein konkreter Arbeitsablauf sein: Welche Aufgabe soll einfacher werden? Welche Information fehlt heute? Wo muss sie künftig verfügbar sein?

Ebenso wichtig sind die Ausnahmefälle. Was passiert, wenn ein externer Dienst nicht erreichbar ist oder nur unvollständige Angaben liefert? Kann die Beratung fortgesetzt werden? Wird erkennbar, welche Informationen noch geprüft werden müssen?

Die Integration in bestehende Systemlandschaften sollte deshalb den gesamten Ablauf berücksichtigen – vom Datenabruf über die fachliche Prüfung bis zur Nutzung im Beratungs- oder Serviceprozess.

4. Kundennutzen: Der Vorteil muss verständlich sein

Für Kundinnen und Kunden ist eine Schnittstelle kein Nutzenversprechen. Verständlich wird der Mehrwert erst im konkreten Alltag: Angaben müssen möglicherweise seltener erneut erfasst werden, die Vorbereitung eines Gesprächs wird einfacher oder Informationen lassen sich übersichtlicher darstellen.

Solche Vorteile entstehen jedoch nicht automatisch. Sie müssen im jeweiligen Anwendungsfall entwickelt und überprüft werden.

Unternehmen sollten deshalb benennen können, welches Problem sie lösen möchten. „Wir vernetzen Finanzdaten“ beschreibt eine technische Möglichkeit. „Wir reduzieren wiederholte Dateneingaben bei der Vorbereitung eines Beratungsgesprächs“ beschreibt einen messbaren Nutzen.

Ein Praxisbeispiel: Von verfügbaren Daten zur besseren Gesprächsvorbereitung

Angenommen, ein Beratungsunternehmen möchte freigegebene, rechtlich nutzbare Vertragsinformationen für die Vorbereitung von Kundengesprächen verwenden. Das folgende Beispiel veranschaulicht die Umsetzung; es legt nicht fest, welche Daten eine endgültige FiDA-Regelung umfassen wird.

Die Schnittstelle liefert die Informationen. Anschließend muss die Anwendung erkennen, zu welcher Person und welchem Vertrag sie gehören, welchen Stand sie haben und wie sie fachlich einzuordnen sind. Fehlende Angaben sollten sichtbar bleiben, statt durch vermeintlich vollständige Ansichten verdeckt zu werden.

Im nächsten Schritt müssen Beratende die Informationen an der passenden Stelle ihres gewohnten Ablaufs finden. Die Kundschaft wiederum sollte nachvollziehen können, wofür der Zugriff benötigt wird.

Ob die Lösung tatsächlich hilft, lässt sich anschließend messen: Sinkt die Vorbereitungszeit? Werden weniger Angaben doppelt erfasst? Wie häufig ist eine manuelle Klärung notwendig?

So wird aus einem technischen Datenaustausch ein konkreter Anwendungsfall mit überprüfbarem Ergebnis.

Wie Unternehmen jetzt sinnvoll starten können

Ein geeigneter Einstieg ist ein klar begrenzter Pilot. Er macht fachliche und technische Abhängigkeiten sichtbar, bevor eine umfassende Lösung entsteht.

Für die Vorbereitung helfen fünf Fragen:

  • Anwendungsfall: Welcher konkrete Beratungs- oder Serviceprozess soll verbessert werden?

  • Datenbasis: Welche Informationen werden dafür benötigt, und wie wird ihre Qualität geprüft?

  • Verantwortung: Wer entscheidet über Nutzung, Berechtigungen und den Umgang mit Fehlern?

  • Integration: In welchen bestehenden Systemen und Arbeitsschritten müssen die Daten verfügbar sein?

  • Erfolg: An welchen Kennzahlen lässt sich eine tatsächliche Verbesserung erkennen?

Aus den Antworten lässt sich eine belastbare Umsetzungsplanung entwickeln. Gleichzeitig wird sichtbar, welche Entscheidungen bereits getroffen werden können und welche vom weiteren regulatorischen Rahmen abhängen.

Warum Consulting und Entwicklung zusammengehören

Die fachliche Konzeption legt fest, was eine Lösung leisten soll. Die Entwicklung zeigt, wie sich diese Anforderungen in der vorhandenen Systemlandschaft umsetzen lassen. Beide Perspektiven sollten sich von Beginn an ergänzen.

Unser IT-Consulting für Versicherungen verbindet Prozessberatung, fachliche Anforderungen und technische Expertise. Gemeinsam betrachten wir bestehende Abläufe und entwickeln passende digitale Lösungen – von der Analyse über die Softwarearchitektur bis zur Integration.

Für die Vorbereitung auf einen erweiterten Finanzdatenaustausch bedeutet das: strategische Fragestellungen in konkrete Anforderungen übersetzen, Abhängigkeiten früh erkennen und die spätere Nutzung im Arbeitsalltag mitdenken.

Unser Bite: Datenzugang ist noch keine Anwendung. Eine Schnittstelle schafft die Verbindung. Der Mehrwert entsteht, wenn verlässliche Daten, klare Verantwortlichkeiten und funktionierende Prozesse zusammenkommen.

Welche Voraussetzungen fehlen noch zwischen Datenzugang und nutzbarer Anwendung? Gemeinsam mit iS2 den nächsten Schritt vorbereiten.

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