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Ein Interview über die DIN SPEC 77222 in der Finanzdienstleistungsbranche

DIN-Normen sind jedem ein Begriff. Der Klassiker ist die Norm für Papierformate wie DIN A4. Ziel solcher DIN-Normen ist es, verbindliche Standards auf freiwilliger Basis zu definieren. Das betrifft nicht nur technische Vorgaben. Auch in der Finanzdienstleistungsbranche haben sich solche Standards etabliert. Der bekannteste ist die DIN SPEC 77222. Sie kommt seit 2014 in der Beratung von Banken und Versicherungen zum Einsatz und regelt die Analyse der finanziellen Situation privater Haushalte. Eine DIN SPEC ist eine Art Normierungsspezifikation, die der Öffentlichkeit als Anforderungsdefinition zur Verfügung gestellt wird. Sie kann die Basis für eine DIN-Norm sein, muss es aber nicht zwangsläufig. Bei der DIN SPEC 77222 ist das der Fall. Sie soll in naher Zukunft in eine DIN-Norm überführt werden und damit ein für alle Mal Klarheit, volle Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Finanzberatung schaffen.

Wir haben uns mit unseren Anforderungsmanagern Hannelore Forster (HF) und Peter Blaukowitsch (PB) über die DIN SPEC 77222 unterhalten und Antworten auf wichtige Fragen rund um den Standard in der Finanzanalyse erhalten. Für die Kurzentschlossenen unter Ihnen gibt es ein kurzes Video zur DIN SPEC 77222: https://www.is2.de/din-spec-77222-kurz-erklaert/

Was besagt die DIN SPEC 77222 „Finanzanalyse für private Haushalte“?

HF: Inhaltlich konzentriert sich die DIN SPEC 77222 auf eine Standardisierung der Kriterien, Soll-Größen und Priorisierungen aller Aspekte einer ganzheitlichen Vorsorgeberatung im Finanzsektor mit der Zielausrichtung auf den Privatkundenbereich.

Warum wurde ein Standard in der Finanz- und Versicherungsberatung überhaupt notwendig?

PB: Seit langer Zeit wurde in Fachkreisen und auf Verbraucherseite kritisiert, dass es keine standardisierten Kriterien für die Relevanz und Priorität der verschiedenen Absicherungsmöglichkeiten gab. Ebenso wenig wie einheitliche, verlässliche Größenvorgaben für Deckungssummen und Versorgungslücken.

Bedeutet im Klartext: Bislang haben Vermittler und Versicherungsgesellschaften die Beratung und Vermittlung von Versicherungsprodukten sehr individuell gehandhabt. Die Folge daraus war eine eingeschränkte Vergleichbarkeit der Absicherungsprioritäten und notwendigen Leistungshöhen. Am Ende war es Auslegungs- & Argumentationssache, welche Priorität beispielsweise das Thema Berufsunfähigkeit oder Altersvorsorge im Beratungsprozess hatte, oder welche Absicherungswerte als Zielversorgung anzustreben waren.

Ein Ansatz, dies zu ändern, ist die DIN SPEC 77222. Mit der Standardisierung wird das Leck im Vertriebs- & Beratungsprozess von Finanz- und Vorsorge- / Absicherungsprodukten inhaltlich und prozessual behoben.

Wie sieht dieser Ansatz der DIN SPEC 77222 konkret aus?

HF: Die DIN SPEC 77222 basiert auf einer Bewertungs- und Empfehlungssystematik. Dadurch lassen sich sehr viel einfacher Vergleichbarkeit und Transparenz im komplexen Sektor der Empfehlung von kundenindividuellen Absicherungsprodukten herstellen.

Und was haben Vermittler und Versicherungskunde davon?

PB: Schlussendlich profitieren beide Seiten, nicht nur weil endlich der lästige Argumentationszwang entfällt.

Standardisierung – vor allem, wenn alle relevanten Interessenvertretungen im Definitionsprozess beteiligt sind – schafft Vertrauen in die Sinnhaftigkeit und Kompetenz der zugrundeliegenden Faktoren für individuelle Absicherungsangebote. Das ist das Grundgerüst. Darüber hinaus wird die individuelle Kundensituation, z. B. durch höhere Leistungen oder andere individuelle Anpassungen, berücksichtigt.

Der Kunde kann sich somit darauf verlassen, dass die Basisanalyse seiner Situation auf einer allgemeinen Grundlage erfolgt, die der Markt als Standard akzeptiert hat.

Das kommt auch dem Vermittler entgegen. Denn Reglementierung und Standardisierung können eine wichtige Rolle als vertrauensbildende Faktoren für die Kundenberatung spielen. Das ist für die Branche einer der grundlegenden Pfeiler, auf dem der Erfolg in der Zukunft aufbauen wird.

Beratung nach DIN SPEC 77222 – wie sieht das praktisch aus? Wie kann Software dabei helfen?

HF: Ohne leistungsfähige Softwareprodukte kann eine moderne und gleichzeitig rechtskonforme Kundenberatung in Zeiten von IDD und DIN (SPEC) unserer Überzeugung nach nicht zielführend sein. Vor allem bei der Ausrichtung an einem ganzheitlichen Beratungsfokus.

Software unterstützt entscheidend dabei, auf Basis der individuellen Kundensituation unter Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse des Kunden einen priorisierten Katalog an Absicherungsmaßnahmen und Zielvorgaben zu ermitteln. Hier gehen die Anforderungen der IDD und des DIN-Standards Hand in Hand.

Moderne Beratungssoftware vereint alle Anforderungen durch IDD und DIN (SPEC) und bildet diese über den gesamten Beratungsprozess ab. Sie unterstützt den Berater bei der Ermittlung des kundenindividuellen Beratungsumfangs und bei der individuellen Beratungs- und Empfehlungsleistung mit rechtssicherer Dokumentation.

Die DIN SPEC soll in naher Zukunft eine DIN-Norm werden? Was ändert sich dadurch? Was hat die Branche davon?

PB: Aktuell ist als Veröffentlichungsdatum der neuen DIN 77230 „Basisanalyse der finanziellen Situation von Privathaushalten“ das 3. Quartal 2018 genannt.

Im Gegensatz zum Verfahren für eine DIN SPEC findet hier eine weitaus intensivere Abstimmung der Regulierungsinhalte und- details in einem erheblich breiteren Gremium statt. Dieses besteht aus namhaften Vertretern der Versicherungsbranche, Verbraucherschützern, Vertretern aus Forschung und Lehre sowie anderen Know-how-Trägern aus Beratung und Vertrieb von Finanz- und Versicherungsprodukten. Im DIN-Normierungsverfahren herrscht außerdem Konsenspflicht der Beteiligten. So kann sichergestellt werden, dass eine DIN-Norm sowohl auf Kundenseite als auch bei Produktgebern und Vertreibern auf höchstmögliche Akzeptanz stößt.

Es wird spannend zu beobachten sein, in welcher Form sich mit der DIN-Norm ein im Markt durchaus vorhandenes Bedürfnis nach Individualität und Alleinstellungsmerkmalen im Beratungs- und Vertriebsprozess gestalten läßt. Auch in diesem Fall bieten individuelle Gestaltung und nutzerorientiertes Softwaredesign hervorragende Möglichkeiten zur Profilierung der einzelnen Marktteilnehmer.

 

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DIN SPEC 77222 „Standardisierte Finanzanalyse für den Privathaushalt“- Kurz erklärt von Thomas Dressel: DIN SPEC 77222 kurz erklärt

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